Startseite
ImpressumKontaktAGB'sSitemap
deutsch
dt.  engl.  fr.  
Montag | 21. Mai 2012 | 20:00 Uhr
Mülheim a. d. Ruhr | Stadthalle Mülheim | Theatersaal
Radu Lupu

Obwohl Franz Schubert nicht der erste war, der kurze Charakterstücke als Impromptus bezeichnete, waren es doch seine Kompositionen, die neue Maßstäbe setzten und für die Weiterentwicklung der Klaviermusik entscheidende Bedeutung erlangten. Als 1827 zwei seiner Impromptus von einem Verlag angenommen wurden, schrieb er voller Enthusiasmus gleich vier weitere Stücke dieser musikalischen Kleinform. Voller Hoffnung auf ein lukratives Einkommen bot er die Sammlung dem Schott-Verlag an. Doch die Anfrage verlief erfolglos. Wenige Wochen vor seinem Tod erhielt Schubert die niederschmetternde Auskunft, dass die Stücke aufgrund ihres Schwierigkeitsgrades für eine Publikation nicht infrage kämen. Erst zehn Jahre später erschien der wunderbare Zyklus posthum als Opus 142 und brachte einen durchschlagenden Erfolg. Robert Schumann stellte die Vermutung auf, dass es sich bei diesen vier Charakterstücken ursprünglich um die Sätze einer Sonate handelte, die der Komponist aus verkaufsstrategischen Gründen umbenannte und als Einzelwerke deklarierte. Ein inhaltlicher Bezug zwischen den vier Impromptus ist tatsächlich nicht von der Hand zu weisen, auf der anderen Seite ist aber auch zu bedenken, dass alle Stücke in sich abgeschlossen sind und problemlos allein bestehen können. Trotz ihrer Schlichtheit stellen diese lyrischen Kompositionen vollendete Kunstwerke dar.

Das als Sonatenform konzipierte Impromptu Nr. 1 in f-Moll gehört mit seinen vielfältigen musikalischen Einfällen zu den großartigsten Schöpfungen aus der Spätzeit. Die tragische Grundstimmung voller dunkler Harmonien kann auch durch einige innige, liebliche Klänge nicht dauerhaft aufgehellt werden. Einen deutlichen Kontrast dazu bildet der intime Trostgesang des Impromptu Nr. 2 in As-Dur. Doch auch hier wird die zarte lyrische Melodie im Mittelteil harmonisch verdunkelt und zu einem dramatischen Höhepunkt geführt. Eine volkstümliche Melodie aus der Schauspielmusik Rosamunde wird im Impromptu Nr. 3 in B-Dur in fünf Variationen immer reicher abgewandelt. Der breite musikalische Ausdruck reicht von rhythmischen Veränderungen und eleganten Figurationen bis zu dramatischen Ausbrüchen voller Virtuosität. Mit seinen lustig tanzenden Achtelbewegungen im Staccato-Stil und seinen gegeneinander verschobenen Rhythmen gehört das Impromptu Nr. 4 in f-Moll zu Schuberts brillantesten und pianistisch anspruchsvollsten Kompositionen.

Trotz seiner flämisch-deutschen Abstammung wollte César Franck stets als französischer Komponist verstanden werden. Paris war die Stadt, die er als seine Heimat betrachtete und in der er sich als Organist und Lehrer am Konservatorium einen Namen machte. Sein Klavierwerk besteht zwar nur aus sehr wenigen, dafür aber äußerst bedeutungsvollen Kompositionen. Als erste große Schöpfung entstand 1884 Prelude, Choral et Fugue in h-Moll. Sie stellt den gelungenen Versuch dar, die beiden durch Johann Sebastian Bach berühmt gewordenen barocken Formen Präludium und Fuge wiederzubeleben und mit allen neugewonnenen Ausdrucksmitteln der Musik anzureichern. Franck zeigt kompositorische Genialität, indem er das überlieferte Formenpaar um einen in der Mitte eingeschobenen Choral erweitert. Gemeinsame Kernintervalle, Themenzitate und -verwandtschaften sorgen dafür, dass die drei Sätze des Zyklus‘ eine starke Einheit bilden. Das Wehmut ausstrahlende Prelude besteht aus einer klagenden, synkopierten Gesangslinie, die durch ein leidenschaftlich flehendes Motiv mehrfach unterbrochen wird. Die trostreiche Melodie des Chorals ertönt insgesamt drei Mal und steigert sich dabei von sanfter Feierlichkeit zu mächtiger Klangfülle. In der Fugue behandelt der Komponist die zugrundeliegende strenge Form sehr frei und lässt nach vier Stimmeinsätzen eine leidenschaftliche Entwicklung folgen. Zum Schluss verbinden sich Choral und Fuge zu einer jubelnden, festlichen Apotheose.

Im Gesamtoeuvre Franz Schuberts – er schrieb in seinem kurzen Leben etwa 1250 Werke – erscheinen die lange in Beethovens Schatten stehenden Klaviersonaten wie ein schwer zu überblickender „Gattungstorso“. Die Musikforschung unterscheidet drei Phasen: Die erste beginnt mit der ersten erhaltenen zweihändigen Klaviersonate Schuberts aus dem Jahr 1815 und schließt mit der Sonate A-Dur D 664 von 1819, die zweite 1823 beginnt mit der Sonate a-Moll D 784 und endet 1826 mit der Sonate G-Dur D 894, die dritte und letzte umfasst die Sonatentrias aus Schuberts Todesjahr 1828. Diese zuletzt entstandenen Sonaten bot Schubert sofort nach Fertigstellung seinem Leipziger Verleger an: „Ich habe unter andern 3 Sonaten für’s Pianoforte allein komponiert, welch ich Hummel dedizieren möchte.“ Doch H. A. Probst ging auf das Angebot nicht ein, und so erschienen die Werke, nun mit einer Widmung an Robert Schumann, erst im April 1839 bei Diabelli in Wien als Franz Schubert’s allerletzte Composition. Drei große Sonaten für das Pianoforte. Für alle drei Sonaten, die als „Resümee“ von Schuberts lebenslanger Auseinandersetzung mit Beethovens Klaviersonaten gelten, existieren umfangreiche Entwürfe, die möglicherweise bis in das Frühjahr 1828 zurückreichen. Die Sonate Nr. 21 A-Dur op. posth. D 959, die zweite der Trias, beginnt scheinbar konventionell mit einemaffirmativ wirkenden Thema, einer breit ausgesponnenen und virtuos ausgeweiteten Kadenz, die auf den ursprünglichen Widmungsträger Johann Nepomuk Hummel zugeschnitten ist. Das gewichtige Anfangsthemawird im Stil eines Chorals vorgestellt. Dennoch scheint alles – vom unregelmäßigen Periodenbau über die Kombination von drei Motiven bis zu den Fortspinnungsabschnitten des Hauptthemas – auf Entwicklung angelegt. Der dreiteilige zweite Satz, eine unendlich melancholische Barcarole, erinnert an Chopins cis-Moll-Nocturne op. 27. Der dramatische Mittelteil gewährt einen Einblick in tiefe Verzweiflung, wobei der leidenschaftliche Stil dieser Passagen den Klaviersatz einer viel später folgenden Generation von Komponisten vorwegnimmt. Nach dem Scherzo, das sich an dem Scherzo aus Beethovens früher A-Dur-Sonate op. 2/2 orientiert, beschließt ein sanftes und recht einheitlich gestaltetes Rondo, dessen Thema aus dem Mittelsatz der ersten von Schuberts drei a-Moll-Sonaten (D 537) stammt, die Sonate in gelöster Stimmung. Ihre Grundtonart A-Dur war sicher nicht von ungefähr gewählt, sah Schubert in A-Dur doch: „Die beste Medizin gegen Trübsinn! Und ohne das gerät ja doch die ganze Welt zum Nachtstück...“


Andrea Susanne Opielka

Wir danken unserem Sponsor-Partner und unserer Partner-Stiftung
Veranstaltungskalender
MoDi MiDo FrSa So
    1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 31